Holzstämme zersägen, die Braut durch ein aus einem Bettlaken ausgeschnittenes Herz tragen, Pfennige für die Brautschuhe sammeln: Brautpaare legen sich in Deutschland vor und am Hochzeitstag mächtig ins Zeug. Schließlich wollen die frisch Vermählten ja alles richtig machen für eine glückliche und lange Ehe. Doch auch in fremden Welten gibt es rund um den  schönsten Tag im Leben ganz bestimmte Sitten und Bräuche.

Indien: Wenn die Sterne günstig stehen...

Henna-Schmuck spielt bei einer indischen Hochzeit eine große Rolle. Die verschiedenen Ornamente sollen der jungen Frau Glück bringen. Deshalb kann der Brauch schon mal bis zu drei Tagen dauern. Bis die Braut ihren Hochzeitsschmuck anlegt und sich in einen farbenfrohen Sari hüllt, bleibt also ausreichend Zeit, sie auf ihre Rolle als gute Ehefrau vorzubereiten.

Der Zeitpunkt einer indischen Hochzeit wurde zuvor per Horoskop festgelegt und die Ehe wird im Sinne des Hinduismus geschlossen. Daher gibt es auch zahlreiche Rituale, die vollzogen werden, um die Ehe des Paares zu besiegeln. Der Bräutigam wird am Tag der Hochzeit mit einem rituellen Trank aus Honig und Joghurt im Haus der Braut empfangen. Das Getränk soll Glück verheißen. Dann nehmen die Eheleute in einem Pavillon, durch einen Vorhang in zwei Bereiche geteilt, Platz. Während der Priester heilige Verse zitiert wird der Vorhang langsam geöffnet – das Paar sieht sich oft zum ersten Mal. Nachdem der Brautvater die Tochter an ihren Ehemann übergeben hat, schreitet die beiden zum heiligen Feuer und werfen Reis und Butteröl als Opfergabe in die Flammen. Dann wird die Kleidung der beiden verbunden. So schreiten die Eheleute dann genau sieben Schritte um die Feuerstelle. Wenn das Paar mit Weihwasser besprengt ist, kann das große, meist mehrtägige Fest beginnen.

Braut- und Modenschau in Japan

Aufwändig sind auch die Sitten und Bräuche in Japan. Hier geht es für die Verliebten ziemlich stressig zu – vor allem für die Zukünftige.

Die Braut muss nicht nur ein traditionelles Hochzeitsgewand, sondern auch einen folkloristischen Kimono aus Seidenbrokat und ein weißes Brautkleid tragen – alles an einem Tag. Dabei feiern die meisten Japaner im Sinne der Shinto-Religion, also in einem besonderen Shinto-Schrein und einer Zeremonie im engsten Familienkreis.

Während der Zeremonie wird das Paar gesegnet und spirituell gereinigt. Der Tausch der Ringe, eine vom Westen übernommene Sitte, wird von Harfenmusik begleitet. Zum Abschluss trinkt das Paar mehrere Male Reiswein aus derselben Schale.

Verwöhnprogramm in Kenia

 

Bei den Suaheli in Kenia beginnt das Heiratsritual bereits mit einem ganz speziellen Verwöhnprogramm.

Vor der Zeremonie wird die Braut mit Kokosnussöl massiert und mit Sandelholz parfümiert. Arme und Knöchel werden mit Henna-Mustern bemalt. Eine „somo“, das heißt einer ältere Frau des Stammes, weist die zukünftige Ehefrau in die Gefälligkeiten einer guten Ehefrau gegenüber ihrem Mann ein – sie klärt sie also auf.

 

Party ohne Ende in der Türkei

Drei Tage feiern nonstop ist in traditionsbewussten, türkischen Familien anlässlich der Hochzeit keine Seltenheit.

Dabei feiern die Männer bei der Familie des Bräutigams und die Frauen bei der Brautfamilie. Bei den Festen in Ost- und Südanatolien tanzen zumindest die Männer. Die Geschenke gibt es ebenfalls getrennt – Goldschmuck und Geld sollen das frisch vermählte Paar sozial absichern.

Der große Tag für die Verliebten ist schließlich der letzte Tag der Feierlichkeiten. Die Braut, um die Taille trägt sie zusätzlich zum prächtigen Kleid ein rotes Band, wird vom Schwiegervater abgeholt. Der „hoça“ vollzieht dann in der Moschee oder im Haus des Bräutigams die islamische Trauung. Noch am Abend oder am nächsten Morgen gehen die Brautleute zum Standesamt und lassen ihre Ehre gesetzlich besiegeln.

Italienisches Eheleben: bitter und süß

Stilvoll und kostspielig geht es bei der traditionellen italienischen Hochzeit zu – es wird an nichts gespart, um das Fest möglichst glamourös zu gestalten.

Gefeiert wird bis zum Morgengrauen. Mittelpunkt der Veranstaltung ist das Buffet, bei dem es entweder Spanferkel oder gegrilltes Lamm gibt. Fehlen dürfen auf keinen Fall die gezuckerten Mandeln. Sie sind Symbol für das Bittere und Süße im Leben und werden von den frisch Vermählten verteilt.

Um das Süße geht es auch in Sardinien. Hier wird allerdings – nach dem gemeinsamen Auslöffeln eines Tellers Suppe – Honig gegessen. Er ist symbolisch für die kommenden süßen Stunden und den hoffentlich bald eintretenden Reichtum.

Amerikanische Paare heiraten im Juni

Amerikanisches Hochzeitspaar

 

Die Amerikaner heiraten am liebsten im Juni. Und wenn doch nicht, dann bestimmt bei abergläubischen Paaren ein Sprichwort das Datum. Denn: Themenhochzeiten sind in den Vereinigten Staaten total in.

Dabei werden aufwändige Vorbereitungen nicht gescheut. Faustregel ist: je pompöser und strahlender, desto besser. Eine wichtige Rolle spielt daher der so genannte „best man“ des Bräutigams, er ist Organisator und Stimmungsmacher, verwahrt den Trauring, ist Trauzeuge, bezahlt den Geistlichen und kümmert sich um die Gäste.

Bei der Dame stehen die „bride’s maid“, Brautjungfern, an erster Stelle. Eine Brautjungfer kümmert sich um die Einladungen und das Einkleiden der zukünftigen Ehefrau. Etwa vier Wochen vor der Feier organisiert sie zudem ein „bridal shower“, ein Fest nur für weibliche Gäste. Hier wird die Braut mit vielen nützlichen Kleinigkeiten für den Haushalt überschüttet.

An dem großen Tag, der meist in einem Hotelsaal stattfindet, wird der Hochzeitsmarsch gespielt und die Gäste beschmeißen das Paar mit Reis oder Konfetti.   

Finnland: Frau der Ringe

In Finnland werden die gestressten Ehefrauen nach der Hochzeitsnacht entschädigt:

Sie erhalten als aufmerksame Morgengabe ihres frisch angetrauten Ehemanns ein Schmuckstück. Dabei haben sie schon zwei Ringe, denn hierzulande steckt der Bräutigam seiner Angebeteten den Ehering neben den Verlobungsring an den linken Ringfinger, während er selbst den Verlobungsring auch als Ehering trägt.

Geheiratet wird im nördlichen Europa am liebsten an den Mitsommertagen.